Anästhesie-Workshop in Buschkrankenhäusern

Hilfsaktion in Südafrika

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In Zusammenarbeit mit einer deutschen Anästhesistin schult die Fritz Stephan Medizintechnik GmbH südafrikanische Ärzte und Pfleger in der Durchführung von Narkosen.

Das afrikanische Wild Life mit Nashörnern, Nilpferden, Zebras und Giraffenbabys, für das andere eine Reise an die Südspitze des Kontinents buchen, war für Bernd Höhne eine Randerscheinung – eine attraktive, zugegeben.

Das eigentliche Ziel seiner letzten Reise nach Südafrika aber waren zwei Buschkrankenhäuser in den Städten Mokopane und Polokwane, rund 70 Kilometer voneinander entfernt in den Distrikten Waterberg und Capricorn, in der Provinz Limpopo gelegen. Hier hat er einen viertägigen Workshop organisiert.
Wie es zu diesem Engagement kam, da muss der Medizintechnikexperte zeitlich ein wenig ausholen: Vor mehreren Monaten waren „unerklärliche Probleme“ mit Anästhesiegeräten aufgetreten, für die es – auch in einer Expertengruppe in Koblenz – keine Erklärung gab. Ein Notkaiserschnitt war abgebrochen worden, die Behandler gaben dem Gerät die Schuld. In solchen Fällen setzt sich der Marketingchef der Fritz Stephan GmbH – die zu den Technologieführern in den Bereichen Beatmung, Anästhesie und Sauerstofferzeugung zählt und in diesem Jahr mit dem rheinland-pfälzischen Innovationspreis ausgezeichnet wurde – „sofort ins Auto oder in den Flieger“.
Denn Kundenbindung und Service sind ihm und dem Unternehmen wichtig. Zudem leiten ihn altruistische Motive und er möchte, gestützt durch seine 30-jährige Erfahrung in der Beatmungstechnik, dem Anwender Erleichterung und dem Patienten Nutzen bringen. Das bedeute ihm und dem Unternehmen mehr als reine Umsatzsteigerungen. Zu Berge standen ihm die Haare bildlich, als er bei seinem anlassbezogenen Erstbesuch im Krankenhaus im ländlichen Südafrika Operationen beiwohnen durfte: „Zu einem Termin um 8 Uhr erschien das OP-Team stark verspätet, die Ausrüstung der Ärzte zwar gewaschen, aber nicht gut anzusehen“, erzählt der 55-Jährige. Vorkenntnisse von technischen Prinzipien oder einer Struktur für Notfälle erkannte er nicht. „An einem Tag war der eine Arzt Anästhesist, der andere war Chirurg und schnitt Bäuche auf, am nächsten Tag wechselten sie die Positionen. Vieles ging durcheinander, Abläufe waren unkoordiniert.
Die prägendste Erfahrung für den Gerätespezialisten aber war der Umgang mit einer 99 Kilogramm schweren hochschwangeren Patientin: „Für einen Kaiserschnitt wollte der ‚Chirurg‘ loslegen, doch sie zuckte noch. Da sagte der Anästhesist:‚Aber ich habe doch ein Anästhetikum gegeben, wieviel Milliliter Propofol gibt man pro Kilogramm?‘ – und sah mich fragend an.“ Obwohl Höhne kein Pharmakologe, sondern Elektro-Mechanikermeister sei, wie er betont, wusste er: mindestens zwei. Also musste in dieser Situation nachgelegt werden, aber zu allem Unglück fing die Suche nach dem Schlüssel für den Medikamentenschrank an ...“
Bernd Höhne liebt zwar das Land und die Leute („Sie haben die Sonne im Herzen und singen viel.“), doch an diesem Punkt war für ihn eine Grenze überschritten:
„Mir fehlt die Ernsthaftigkeit hier!“, kritisierte er. „Normalerweise bereitet man sich auf den Patienten vor, kennt zumindest das Gewicht und weiß, warum er da ist – selbst bei einer Not-OP.“ Man gebe auch klare Anweisungen, wenn man die Führungsrolle innehat.
Einer der Ärzte sei daraufhin aufgestanden und gegangen. Was Höhne jedoch überraschte: „Zwei Minuten später kam er mit einem Block wieder und fragte:
‚Darf ich das aufschreiben?‘“. So kam der Stephan-Beauftragte auf die Idee,
den kostenfreien Workshop mit der „in Afrika-Dingen sehr erfahrenen Anästhesie-ärztin“ Dr. Daniela Kietzmann vom Universitätskrankenhaus Uppsala (Schweden) zu organisieren.
Aus heutiger Sicht weiß Bernd Höhne: „Die Ärzte sind Generalisten, kennen ihre Defizite, sie haben in den Buschkrankenhäusern zwar die Ausstattung, aber keine organisierte Weiterbildung und fühlen sich alleine gelassen. Sie müssen alles machen und können im Unterschied zu den Ärzten in städtischen Krankenhäusern, wie dem Johannesburg General Hospital, kein Spezialwissen ansammeln.“
Höhnes zweiter Besuch vor Ort – in Kooperation mit Dr. Kietzmann – war für ihn dann „der Brüller“, sagt er und will mit Lob nicht zurückhalten: „Das ganze Team war wie ausgewechselt. Sie waren sowas von gut vorbereitet, pünktlich und vollzählig da, marschierten in Reih und Glied in grüner OP-Kleidung mit Vollgesichtsmasken ein – es war wie in einem deutschen Universitätsklinikum.“
Dr. Kietzmann, die ein hohes Wissen in Pharmakologie und Pharmako-Kinetik von Anästhetika mitbringt, konnte tief in ihre Materie eintauchen und beispielsweise erklären, wie Anästhetika gemischt und wann sie gespritzt oder inhaliert werden. Bestandteil des täglich zwölfstündigen Trainings war auch der sach- und fach-gerechte Umgang mit den komplexen Beatmungs- und Inhalationsnarkosegeräten, deren Messwerte Rückschlüsse auf die richtige Behandlung zulassen.
„Ein Maschinist muss seine Maschine sehr gut kennen: Kinder brauchen eine andere Anästhesie als Erwachsene, Frauen eine andere als Männer, und ein schwerer, großer Mann wiederum eine andere als ein schlanker, kleiner Mann“, sagt Höhne.
Während des Vier-mal-zwölf-Stunden-Workshops fassten die Ärzte und Pfleger
so viel Zutrauen zu sich selbst, dass sie alle Operationssäle belegten und
Dr. Kietzmann und Höhne zwischen den OP-Sälen hin- und herspringen mussten, um zu sehen, ob noch Erklärungen gebraucht wurden. Hilfe zur Selbsthilfe, für alle Beteiligten war dies eine äußerst beglückende Erfahrung. Obendrein gab’s die Einsicht: Das Gerät macht keine unerklärlichen Probleme.
Ein Arzt murmelte:„Jetzt haben wir die Sache im Griff“, freut sich Höhne.

Der Anästhesie-Workshop der Fritz Stephan GmbH in Südafrika ging über vier Tage und beinhaltete die Themen:
Anästhesieapparate-Technik
Narkose in der Geburtshilfe
Spinal-Anästhesie
Notkaiserschnitt-Entbindung
Kreislaufschock
Physiologie der Schwangeren
Pharmakologie und Pharmako-Kinetik
Praktisches Training während diverser Anästhesien, von Kinderanästhesie bis zum Notkaiserschnitt

 

Quelle: Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz/Rhein-Zeitung



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